Angerer der Ältere und sein künstlerisches Vermächtnis – Interview mit Margit Angerer

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Angerer der Ältere und sein künstlerisches Vermächtnis – Interview mit Margit Angerer

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Herausgeber von Biburg aktuell: Gemeinde Biburg 1.Bgm Bettina Danner, Satz Milla Curtis, Foto Titelseite und Texte Heike Krieger (außer anders beschriftet)
Fotos: Christian Angerer + Privatfotos
Stilistisch gilt Angerer der Ältere als einer der profiliertesten deutschen Hauptvertreter des Phantastischen Realismus. Seine Fähigkeit, literarische Mythenwelten in monumentale visuelle Realitäten zu übersetzen, führte in den 1980er Jahren zu einer intensiven künstlerischen Freundschaft und Seelenverwandtschaft mit dem Schriftsteller Michael Ende. Vermittelt durch den Kulturkritiker Gustav René Hocke, erkannten beide Schöpfer rasch ihre gemeinsame Vision: die Wiederbelebung des Mythos und der Phantasie in einer zunehmend rationalisierten Welt. 
Diese Synergie fand ihren Höhepunkt in Angerers visionären Entwürfen für die Verfilmung von Die unendliche Geschichte II, wofür er 1989 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Die Verbundenheit überdauerte das Leben des Autors: Nach Endes Tod gestaltete Angerer dessen weltberühmtes Grabmal auf dem Münchner Waldfriedhof. Das Monument – ein monumentales, aufgeschlagenes Bronzebuch, aus dem plastische Fabelwesen und Reliefs emporsteigen – spiegelt perfekt den Kern ihres gemeinsamen Schaffens wider: die Verwandlung von Literatur in bleibende, berührbare Kunst. 
Renaissance des Heiligen: Die Erneuerung der Ars Sacra
Neben der profanen Phantastik widmete sich Angerer der Ältere mit radikaler Hingabe der Ars Sacra, der christlich-sakralen Kunst. In einer Epoche, in der sich die zeitgenössische Kunst weitgehend vom Sakralen distanziert hatte, positionierte sich Angerer als Erneuerer. Geleitet von den handwerklichen Traditionen der Alten Meister wie Leonardo da Vinci und Michelangelo, schuf er Werke von luminoser Tiefenwirkung und plastischer Präsenz.
Seine religiösen Gemälde und Triptychen zeichnen sich durch eine Verbindung von theologischer Tiefe und kosmischer Weite aus. Seine christliche Kunst war dabei nie rückwärtsgewandte Imitation, sondern der Versuch, das Metaphysische und die christliche Heilsgeschichte für die Gegenwart neu erfahrbar zu machen.
Das gebaute Gesamtkunstwerk: Die Erlöserkapelle in Biburg
Der absolute Kulminationspunkt dieser sakralen Vision ist die Erlöserkapelle in Biburg (Niederbayern). Das ab 1996 errichtete Bauwerk ist als christliches Gesamtkunstwerk konzipiert, in dem Architektur, Malerei und Bildhauerei untrennbar miteinander verschmelzen. Angerer nutzte seine Ausbildung als Entwurfsarchitekt, um ein Monument gegen den kühl-funktionalen Minimalismus moderner Kirchenbauten zu setzen.
Das Bauwerk besticht durch seine Symbolkraft und architektonischen Besonderheiten:
    • Die kosmische Röhre: Eine prägnante, schräge Lichtröhre, die in einer kleinen Kuppel mit einem Bleiglasfenster mündet. Sie fängt insbesondere zur Mittagssonne das Licht auf spektakuläre Weise ein und lenkt den Blick des Betrachters weg vom Irdischen hin zu einer spirituellen, kosmischen Erfahrung.

    • Bildhauerische Meisterschaft: Der Innen- und Außenraum wird von aufwendigen Skulpturen und Reliefs getragen, die biblische Motive wie die Kreuzigung oder die Erschaffung Adams neu interpretieren.

    • Ökumenisches Fundament: Eingeweiht im Jahr 2000 durch vier Bischöfe unterschiedlicher christlicher Konfessionen, steht die Kapelle als überkonfessionelles Symbol der Einheit auf dem europäischen Pilgerweg Via Nova.

Das Werk erfuhr höchste theologische Anerkennung: Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation und spätere Papst Benedikt XVI. würdigte die Erlöserkapelle in einem handschriftlichen Grußwort enthusiastisch als „endlich einmal wieder wirkliche sakrale Kunst im Gegensatz zu so Vielem, das nur den Verfall der Seele im Unglauben sichtbar macht“.
Nach seinem Tod im August 2025 fand Angerer der Ältere seine letzte Ruhestätte in genau dieser Erlöserkapelle. Damit schließt sich der Kreis eines Künstlerlebens: Sein bedeutendstes sakrales Kunstwerk wurde zu seinem ewigen Denkmal – ein gebautes Vermächtnis, das die Vergänglichkeit des Irdischen überdauert.

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